RSM Poland
Languages

Languages

IFRS 15 – Erlöse aus Verträgen mit Kunden (Teil 8). Erfassung von Erlösen bei Rechts-und Beratungsdienstleistungen

Ewa KĄDZIELA
Audit Manager bei RSM Poland

Die Rechts- und Beratungsdienstleistungen gelten als eine weitere Branche (neben u.a. der Telekommunikation, IT und Immobilien), wo die Beurteilung der tatsächlichen Auswirkung der neuen Regelungen (IFRS 15) auf die Jahresabschlüsse einer gründlichen Analyse des neuen Standards sowie der Voraussetzungen der mit den Kunden abgeschlossenen Verträge bedürfen wird. Während der Analyse des neuen (fünfstufigen) Algorithmus für Erfassung von Erlösen können die Zweifel aufgrund der Tatsache erscheinen, dass dieses Modell in einem hohen Maße auf den Erwartungen des Unternehmens in Bezug auf seine Leistungsverpflichtungen und Gegenleistung basiert, die es nach seinem eigenen Urteil für die Ausführung der einzelnen Bestandteile des Vertrags erhält.​

SZENARIO FÜR ERFASSUNG VON ERLÖSEN

Beispielsweise unterzeichnete eine Steuerberatungsgesellschaft mit einem Buchhaltungsbüro einen Auftrag über Durchführung der Schulung über Änderungen in dem Steuerrecht. Vertragsgemäß liegt die Gegenleistung für die Durchführung dieser Schulung bei 20 Tsd. PLN. Zusätzlich enthält der Vertrag die Bestimmung, dass falls die Durchschnittsnote der Schulung bei den Schulungsteilnehmern bei mindestens 2 in der fünfstufigen Notenskala liegen wird, erhält das Schulungsunternehmen eine zusätzliche Gegenleistung (Bonus) i.H.v. 5 Tsd. PLN.

Nach IFRS 15 soll die Steuerberatungsgesellschaft die Erlöse gemäß dem höchst wahrscheinlichen Szenario erfassen. Bisher führte sie einige zehn solche Schulungen (durch denselben Schulungsleiter) durch und sie ist zu fünfundneunzig Prozent sicher, dass sie eine zusätzliche Gegenleistung erhält. Der Transaktionspreis soll also 25 Tsd. PLN betragen (der höchst wahrscheinliche Wert). Ähnlich soll man die Frage der Vertragsstrafen (z.B. für Verzug bei Vertragsdurchführung) behandeln, die oft ein Bestandteil von Beratungsverträgen sind.

Bei der Schätzung der variablen Gegenleistung ist die Tatsache zu beachten, dass solch eine Gegenleistung in dem Transaktionspreis nur dann zu berücksichtigen ist, wenn es hoch wahrscheinlich ist, dass durch ihre Erfassung „eine erhebliche Umkehrung” der bereits erfassten Erlöses aufgrund dessen Überschätzung in Zukunft nicht notwendig sein wird (das kann passieren z.B. bei der fehlenden bzw. geringen Erfahrung mit solchen Verträgen oder wenn der Betrag der Gegenleistung den externen Faktoren gegenüber dem Unternehmen stark ausgesetzt ist).

PRÜFUNG DER RECHNUNGSFÜHRUNG
Haben Sie Zweifeln daran, ob die Informationen, welche Sie von der Buchhaltungsabteilung erhalten, zuverlässig sind?
MEHR

WIE SIND DIE ERLÖSE NACH IFRS 15 ZU ERFASSEN?

Um die Erlöse aus Beratungsdienstleistungen richtig zu erfassen, ist insbesondere die Identifizierung des Zeitpunkts zu beachten, zu welchem die Erlangung der Verfügungsmacht durch den Kunden und zugleich die Erfüllung der Leistungsverpflichtung durch den Leistungserbringer erfolgen. Es lohnt sich dann, jede von drei (im Detail in den vorherigen Teilen des Blogs beschriebenen) Voraussetzungen zu analysieren, die davon zeugen, ob die Übertragung der Verfügungsmacht über die jeweilige Dienstleistung über einen Zeitraum hinweg erfolgt. Wenn keine der Voraussetzungen erfüllt ist, nimmt man an, dass die Leistungsverpflichtung zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt wird.

Beispielsweise wurde eine Prüfungsgesellschaft durch das Unternehmen ABC mit der Durchführung der Abschlussprüfung beauftragt, von welcher ein Prüfungsbericht erstellt wird. Der Vertrag sieht eine Gegenleistung von 80 Tsd. PLN für Bereitstellung des Berichts vor. Im Vertrag gibt es u.a. den Vorbehalt, dass der Mandant  verpflichtet ist, mit der Prüfungsgesellschaft zusammenzuarbeiten und ihr alle für die Erstellung des Berichts erforderlichen Unterlagen und Informationen zu übermitteln. Würde der Mandant entscheiden, den Vertrag vorzeitig, d.h. vor dem Erhalt des Endprodukts, d.h. Prüfungsberichts zu kündigen, dann ist er dazu verpflichtet, die durch die Prüfungsgesellschaft bis zum Zeitpunkt der Vertragskündigung getragenen Kosten zu decken.

Im Folgenden wurden drei Kriterien analysiert, die über den Zeitpunkt der Erfüllung der Leistungsverpflichtung entscheiden:

1. Mit Erfüllung der jeweiligen Leistung durch das Unternehmen erhält der Kunde den Nutzen aus dieser Leistung und verbraucht ihn gleichzeitig.

Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, weil die genannte Dienstleistung nicht gleichzeitig verbraucht wird. Ein Großteil von Rechts- und Beratungsdienstleistungen wird dadurch gekennzeichnet, dass der Mandant den Nutzen daraus zum Zeitpunkt ihrer Lieferung (in diesem Fall der Aushändigung des Prüfungsberichts) zieht. Im Falle der Nichtausführung des Auftrags durch die Prüfungsgesellschaft müsste das Unternehmen ABC eine neue Gesellschaft beauftragen, welche die Arbeiten neu durchführen würde.

2. Mit seiner Leistung erzeugt oder verbessert das Unternehmen einen Vermögenswert (z.B. unfertige Erzeugnisse), über den der Kunde die Verfügungsmacht während der Erzeugung oder Verbesserung dieses Vermögenswertes besitzt.

Die Erfüllung der vorgenannten Voraussetzung würde bedeuten, dass der Mandant die Verfügungsmacht über den Vermögenswert (Prüfungsbericht) schon während seiner Entstehung besitzt. In diesem Fall hat jedoch der Mandant die Verfügungsmacht über den Bericht erst zum Zeitpunkt dessen Erhalts.

3. Mit seiner Leistung erzeugt das Unternehmen einen Vermögenswert, der vom Unternehmen nicht anderweitig genutzt werden kann und das Unternehmen hat dabei einen vollstreckbaren Zahlungsanspruch für die bisher erbrachte Leistung.

Er lässt sich kaum vorstellen, dass der durch die Prüfungsgesellschaft erstellte Prüfungsbericht anderweitig genutzt werden kann (er bezieht sich auf ein bestimmtes Unternehmen, das unter spezifischen Umständen handelt). Darüber hinaus steht der Prüfungsgesellschaft bei der vorzeitigen Vertragskündigung durch eine andere Partei vertragsgemäß die Gegenleistung für die durchgeführten Arbeiten zu.

Der analysierte Vertrag über die Durchführung der Abschlussprüfung erfüllt das dritte Kriterium, was bedeutet, dass die Erfüllung der Leistungsverpflichtung über einen Zeitraum hinweg erfolgt.

Sollten Sie irgendwelche Fragen oder Zweifel zu diesem Thema haben, bitte wenden Sie sich an ihren Ansprechpartner bei RSM Poland. Bald können Sie auf unserem Blog über Erfassung von Erlösen in der IT-Branche lesen.

MÖCHTEN SIE MEHR ERFAHREN?
Abonnieren Sie unseren Newsletter, um über die steuerrechtlichen und finanziellen Fragestellungen auf dem Laufenden zu sein. Profitieren Sie vom Fachwissen unserer Experten!
Jetzt abonnieren