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Faktoren der Effektivität der Internen Revision als wichtiger Bestandteil des Unternehmensmanagements

Olga IRODENKO
Audit Semi-Senior bei RSM Poland

In diesem Eintrag möchte ich aufgrund der Analyse der Weltliteratur und Untersuchungen der amerikanischen Wissenschaftler die Faktoren darstellen, die sich auf die Effektivität der Internen Revision bei den Unternehmen auswirken.

Änderung der Rolle der Internen Revision

Zurzeit wird die Interne Revision als ein integraler Bestandteil des Unternehmensmanagements sowie ein wichtiger Element einer starken Corporate Governance des jeweiligen Unternehmens betrachtet. Dynamische Änderungen der globalen Wirtschaft, Komplexität der rechtlichen Regelungen sowie der technologische Fortschritt in den letzten Jahren setzten neue Instrumente und Entwicklungsrichtungen der Internen Revision an, welche das Management der jeweiligen Organisation fördern und ihren Mehrwert schaffen. Dies hatte das neue Image des Internen Revisors zur Folge, der über erweiterte, an die Anforderungen der Umgebung angepasste Fähigkeiten verfügt und gute Praktiken einsetzt.

Bei steigender Nachfrage nach Prüfungsdienstleistungen gibt es wissenschaftliche und praktische Überlegungen in Bezug auf die Beurteilung der Effektivität der Internen Revision bei einem Unternehmen. Die Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern und Mitglieder des Instituts für Interne Revision suchen in den zahlreichen Bearbeitungen nach den entsprechenden Maßstäben für Beurteilung der Prüfungshandlungen sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis.

In der ersten Definition der Internen Revision des Instituts für Interne Revision (eng. The Institute of Internal Auditors, IIA) wurden der finanzielle und buchhalterische Aspekt hervorgehoben. Die weiteren Änderungen betrafen die Erweiterung der Aufgaben für Beurteilung und Überprüfung des Managements, dabei wurde die Kontroll- und Beurteilungsfunktion in Bezug auf das Funktionieren und die Entwicklung der Organisation hervorgehoben. Im Jahr 2001 wurde durch IIA die endgültige Definition der Internen Revision angenommen.[1]

Eine gründliche Änderung von Betrachtung der Rolle der Internen Revision bei einer Organisation war auf die weltweiten WorldCom- und Enron-Affären zurückzuführen, die eine „kreative Buchführung” (u.a. Verheimlichung der Verluste und Schulden, Fälschung der Finanzdokumentation) betrieben, indem sie ihre tatsächliche Finanz- und Vermögenslage vor den Investoren verschleierten.

Nach den großen finanziellen Skandalen war die Hauptaufgabe eines Internen Revisors, das Vertrauen und Unabhängigkeit wieder herzustellen, den Investoren und Aktionären die Transparenz der Finanzdaten und Kompatibilität der angewendeten Kontrollmechanismen mit der strategischen Entwicklung der Organisation sicherzustellen.

Infolge dieser Affären wurde 2002 durch den Kongress der Vereinigten Staaten das Sarbanes-Oxley-Gesetz (SOX) verabschiedet, was die Änderung der Position der Internen Revisoren zuerst in den Vereinigten Staaten und dann in der ganzen Welt zur Folge hatte. Mit diesem Gesetz wurde die Anforderung eingeführt, das interne Kontrollsystem für die Rechnungslegung zu dokumentieren und zu überprüfen (Dokumentation, die Kontrollprozesse, Risiken und Kontrollmechanismen gemäß den geltenden Anweisungen beschreibt). Damit wurde auch die Pflicht zur Qualitätskontrolle von Prüfungsdienstleistungen eingeführt, die zusätzlichen Finanz- und Strafsanktionen auf die Geschäftsleitungen der Gesellschaften bei der Aufdeckung der Fehler in den Jahresabschlüssen auferlegt sowie eine absolute Anforderung der Unabhängigkeit des Internen Revisors eingeführt.

Zurzeit erstreckt sich die Interne Revision auf alle Bereiche des operativen Geschäfts eines Unternehmens und sie wird zu einem angesehenen Bestandteil des Unternehmensmanagements.

Maßstäbe der Effektivität der Internen Revision

Die Verantwortung und die Rolle, die den Internen Revisoren zugeschrieben wurde, machten es notwendig, die Effektivität ihrer Arbeit zu messen. Der Wert und die Effektivität der Prüfungsdienstleistungen war weltweit Gegenstand von zahlreichen Forschungen im Rahmen der Managementwissenschaften seit der hervorragenden Forschungsarbeit von Simunic von 1980, wo der Autor das Modell der Wertgestaltung der Prüfungsdienstleistungen entwickelte, indem er es mit der Anzahl und Qualität der durchgeführten Prüfungen verglich.

Die Analyse der bisherigen Untersuchungen von Faktoren der Effektivität der Internen Revision bei Unternehmen aus verschiedenen Ländern bewies keine große Differenzierung in diesem Bereich.

Die Faktoren der Effektivität der Internen Revision sind wie folgt:

Determinante Bestimmung
Zugehörigkeit zu dem Sektor

- Privatsektor,

- öffentlicher Sektor;

Qualität der Prüfungsdienstleistungen Die Durchführung der Internen Revision gemäß den internationalen Standards wirkt sich auf die Qualität der Prüfungsdienstleistungen aus und somit steigert die Effektivität der Internen Revision;
Professionalismus des Prüfungsteams Erfahrung, Schulung, Fähigkeiten, hohe Berufsqualifikationen;
Unabhängigkeit Beziehungen zwischen der Abteilung Interne Revision und Geschäftsführung. Es gibt drei Dimensionen der Unabhängigkeit: Unabhängigkeit der Planung (Interne Revision darf keinen Versuchen ausgesetzt werden, ihr den Prüfungsbereich aufzuzwingen), Unabhängigkeit der Prüfung (die Geschäftsführung darf den Arbeitsstil nicht beeinflussen, den Zugriff auf Daten nicht einschränken, die Prüfung im finanziellen Sinne nicht einschränken) und Unabhängigkeit der Berichterstattung (Mitteilung der Prüfungsergebnisse unmittelbar dem Aufsichtsrat);
Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung und Entwicklung der Laufbahn des Internen Revisors Zugang des Internen Revisors zu Geschäftsführungspositionen nach Gewinnung des erforderlichen Wissens und der Erfahrung;
Niveau der Unterstützung der Prüfungshandlungen durch die Geschäftsführung Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung, Lust, die Informationen zu übermitteln.

 

Die Ergebnisse mancher wissenschaftlichen Forschungen zeigten, dass die geringere Effektivität der durchgeführten Revision auf den Rückgang der Vergütung der Revisoren zurückzuführen war. Jedoch können sich die dargestellten Ergebnisse der Analyse von Prüfungseffektivität in Bezug auf die Höhe der Vergütung der Revisoren aufgrund der Preispolitik der Unternehmen und der Wettbewerbsfaktoren bewegen. Die angewendeten Maßstäbe beurteilen die Effektivität der Internen Revision im geringeren Maße, denn sie berücksichtigten nicht ihre grundlegenden Ziele.

Effektivität der Internen Revision in Praxis

In Praxis beschränkt sich die Effektivität auf die Untersuchung der Verhältnisse zwischen den gesamten Effekten (Ergebnissen) der Handlung und den in Bezug darauf getragenen Aufwendungen mittels der Quotientformel (Effekt-Aufwendung-Verhältnis) oder der Differenzformel (Vergleich der Effekte und der Kosten, Nettoeffekt).

Laut L.B. Sawyer, Autor der zahlreichen Bearbeitungen über die Interne Revision, ist die Effektivität der Tätigkeit der Abteilung Interne Revision aufgrund ihrer Fähigkeit zu Ermittlungen und zur Formulierung der Empfehlungen im Rahmen der durchgeführten Prüfungsarbeiten zu bestimmen. Dagegen ist der Maßstab der Effektivität der Internen Revision alleine die Anzahl der durch die geprüften Subjekte implementierten Empfehlungen.

In der Bearbeitung “Internal auditors and the external audit: a transaction cost perspective” beschreibt Morrill die Nutzung der Ergebnisse der von den Wirtschaftsprüfern durchgeführten Internen Revisionen als ein Instrument für die Schaffung eines Mehrwertes, d.h. Senkung der Kosten für diese Revisionen.

Der im Jahr 2015 veröffentlichte Bericht des Instituts für Interne Revision präsentiert verschiedene Modelle für eine effektive Durchführung der Internen Revision in Praxis bei den Unternehmen des Privatsektors in Großbritannien und Irland. Die Untersuchung von unterschiedlichen Organisationssystemen der Internen Revision zeigte den Anstieg des Mehrwertes des jeweiligen Unternehmens sowie die Steigerung der Fähigkeiten und Berufsqualifikationen der Revisoren. In der Bearbeitung wurden die Bestandteile einer effektiven Internen Revision bestimmt:

  1. Vortreffliche Kenntnis des Unternehmens und der Spezifika seines Sektors;
  2. Erfahrung und Fachwissen, die die Erweiterung des Umfangs von Funktionen in Bereichen Finanzen, IT, Projektmanagement, Kundenbeziehungen ermöglichen (Kenntnis von Rechtsbestimmungen, landesweiten und internationalen Vorschriften, aktuellen Standards und guten Praktiken);
  3. Flexibilität und Fähigkeit, auf neue Risiken und Gefahren schnell zu reagieren;
  4. Zuverlässigkeit und Vertrauen seitens der Geschäftsleitung;
  5. Unabhängigkeit und Objektivität;
  6. Planung der risikoorientierten Internen Revision und ihre transparente Methodologie;
  7. Formulierung der Empfehlungen und eine auf Unternehmensziele orientierte Beratung,
  8. hohe Qualität der erbrachten Dienstleistungen;
  9. Koordination und Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, die eine Kontroll- und sicherstellende Funktion ausüben;
  10. eine effektive Teamarbeit;
  11. Möglichkeiten für Entwicklung der beruflichen Laufbahn;
  12. eine kontinuierliche Steigerung der Qualifikationen und Pflicht zur sorgfältigen Ausführung von Prüfungsaufgaben.

Interne Revision des 21. Jahrhunderts

Aufgrund der Analyse von Ansätzen der Wissenschaftler zur Bestimmung der Maßstäbe der Arbeitseffektivität der Internen Revisoren kann man annehmen, dass sich diese Kennzahlen zusammen mit der Änderung der Rolle der Internen Revision und dem Anstieg der Anforderungen und Erwartungen ihrer Benutzer bewegten. Die Erweiterung des Umfangs der Internen Revision, d.h. die Erstreckung ihrer ausdrücklichen Finanzfunktion auf die sicherstellende Funktion und Beratungsfunktion, die eine wichtige Rolle in dem Managementsystem eines Unternehmens spielen, hatte auch die Notwendigkeit der Steigerung der Effektivität von Prüfungsdienstleistungen zur Folge. Die Interne Revision des 21. Jahrhunderts soll den in der Wirtschaft erscheinenden Problemen und neuen Gefahren im Rahmen der Geschäftstätigkeit gerecht werden, indem sie auf die Werke im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zurückgreift und als ein neues Managementinstrument die neuesten Errungenschaften im Bereich Theorie und Methodologie des Managements nutzt.


[1] „Die Interne Revision erbringt unabhängige und objektive Prüfungs-und Beratungsdienstleistungen, welche darauf ausgerichtet sind, Mehrwerte zu schaffen und die Geschäftsprozesse zu verbessern. Sie unterstützt die Organisation bei der Erreichung ihrer Ziele, indem sie mit einem systematischen und zielgerichteten Ansatz die Effektivität des Risikomanagements, der Kontrollen und der Führungs- und Überwachungsprozesse bewertet und diese verbessern hilft  (Institut der Internen Revision Polen, 2011).