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Berufliche Selbständigkeit - Wie kann man in den Markt eintreten und dabei die Kosten minimieren?

Agnieszka KURKOWSKA
Accounting Manager bei RSM Poland

Piotr ist ein junger Physiotherapeut. Wir kennen uns seit Jahren. Immer wenn ich von seinen Geschäftsideen gehört habe, habe ich ihn um sein Engagement in neue Projekte und Herausforderungen beneidet. Als er sich also vor zwei Jahren an mich die Frage gerichtet hat, wie man in einen Markt eintreten und dabei die Kosten minimieren kann, habe ich angefangen, diesem Thema auf den Grund zu gehen. Gern teile ich die Schlussfolgerungen mit Ihnen.  

Die Existenzgründung ist mit zahlreichen Ausgaben verbunden. Der Unternehmer - Piotr, der in den Markt eintritt, ist nicht in der Lage, sie alle sofort zu tragen. Wir haben gemeinsam über die Nutzung des Vermögens von Piotr für Firmenzwecke nachgedacht. Wir haben sofort an die Überführung eines Fahrzeugs in die wirtschaftliche Tätigkeit gedacht, mit dem der Physiotherapeut zu seinen Patienten fahren könnte.

Überlegen wir, wie ein solcher Vorgang aus formeller Sicht aussehen sollte und welche Folgen er für Piotr nach sich zieht.

Überführung von Privatvermögen in eine selbständige Tätigkeit

Sachverhalt: Das Fahrzeug wurde von meinem Bekannten vor mehr als einem Jahr für Privatzwecke gekauft; die Mehrwertsteuer wurde nicht abgezogen. Die Rechnung für dessen Kauf liegt Piotr vor und er ist der einzige Eigentümer des Fahrzeugs. Piotr ist aktiver Mehrwertsteuerpflichtiger. Er zahlt die Einkommensteuer. Piotr hat vor, den Wagen ausschließlich für die Zwecke seiner selbständigen Tätigkeit zu nutzen, weswegen er ihn in das Betriebsvermögen als Sachanlage überführt.

Es sei daran erinnert, dass wir nach dem Rechnungslegungsgesetz [Ustawa o rachunkowości] denjenigen Bestandteil eines Privatvermögens als Sachanlage bezeichnen, der Eigentum oder Miteigentum des Steuerpflichtigen ist, komplett und einsatzbereit ist, bei dem die voraussichtliche Nutzungsdauer länger als ein Jahr ist und der ausschließlich für die Zwecke einer wirtschaftlichen Tätigkeit genutzt wird.

Die Erfüllung der vorgenannten Bedingungen hat Piotr ermöglicht, die mit der Nutzung des überführten Wagens verbundenen Ausgaben nachträglich in die Kosten einfließen zu lassen.

Dokumentation

Der Praxis zufolge hat Piotr die Überführung des Wagens für die Zwecke der wirtschaftlichen Tätigkeit auf der Grundlage einer Erklärung durchgeführt.

Die Erklärung wurde in der Schriftform erstellt. Außer dem Datum und dem Erstellungsort, den Angaben zu dem Unternehmer und einer Erklärung über das Eigentumsrecht an der Sache hat Piotr angegeben, welcher Vermögensbestandteil, mit welchem Wert und an welchem Datum in die wirtschaftliche Tätigkeit überführt wird.

Das Datum und die Angaben zum Unternehmer wecken keine größeren Zweifel, Bedenken kann allerdings die Art und Weise der Ermittlung des AHK-Werts des überführten Vermögens erwecken.

Meistens gilt der Preis für die Anschaffung einer Sachanlage als AHK-Wert, der am einfachsten mit einer Rechnung, einem Kaufbeleg oder einem anderen Verkaufsdokument nachgewiesen werden kann. Von dieser Lösung hat auch Piotr Gebrauch gemacht.

Wenn ein Steuerpflichtiger keinen Nachweis für den Kauf einer Sachanlage besitzt, hat er ihre Bewertung selbst vorzunehmen und dabei den Marktpreis für Sachanlagen derselben Art vom Dezember des Jahres, das dem Jahr vorausgeht, in dem die Sachanlagen ins Register eingetragen wurden, und den Grad deren Abnutzung zu berücksichtigen.

Wenn der Eigentümer eine Sachanlage selbst hergestellt hat, gelten die Herstellungskosten als ihr AHK-Wert, die sich aus dem Anschaffungspreis der zur Herstellung verbrauchten Sachanlagen, der in Anspruch genommenen Fremddienstleistungen, der Arbeitsentgeltskosten und aus sonstigen Kosten zusammensetzen.

Wenn ein Steuerpflichtiger nicht in der Lage ist, die Herstellungskosten zu ermitteln, wird der AHK-Wert von einem durch den Steuerpflichtigen eingesetzten Sachverständigen mit Berücksichtigung der Marktpreise vom Dezember des Vorjahres ermittelt.

Wenn man aber einen Vermögensbestandteil als Schenkung oder Erbschaft erwirbt, gilt der Marktwert des jeweiligen Gegenstands vom Erwerbstag oder der Betrag, der sich aus einem Vertrag über die unentgeltliche Überlassung ergibt, wenn dieser niedriger als der Marktwert ist, als AHK-Wert.

Die Ermittlung des AHK-Werts einer Sachanlage ist ein wesentliches Element der Erklärung, denn die Abschreibungen werden eben auf der Grundlage jenes Werts vorgenommen.

Einkommensteuer

Die Abschreibung der Sachanlagen, die aus dem Privatvermögen in die wirtschaftliche Tätigkeit überführt wurden, unterscheidet sich nicht von der Abschreibung der Sachanlagen, die direkt für den Bedarf der Firma erworben wurden.

Fassen wir zusammen: Piotr ist  in den Markt eingetreten, indem er mobile Rehabilitationsdienstleistungen unter Einsatz eines notwendigen Arbeitswerkzeugs, d. h. eines früher für Privatzwecke erworbenen Wagens erbringt, der durch Erklärung aus seinem Privatvermögen für die Zwecke seiner wirtschaftlichen Tätigkeit überführt wurde.

Zwei Jahre nach der Überführung des Privatvermögens in seine wirtschaftliche Tätigkeit ist Piotr mit einer neuen Idee gekommen: Er hat vor, den Wagen loszuwerden.

Entnahme eines Vermögensbestandteils aus der wirtschaftlichen Tätigkeit

Ein Gewerbetreibender, der einen Vermögensbestandteil der wirtschaftlichen Tätigkeit entnehmen will, hat mehrere Optionen. Die erste Option, die in den Sinn kommt, ist natürlich der Verkauf. Dem Unternehmer stehen noch die Entnahme für den Eigenbedarf und die Schenkung zur Wahl.

Die Wahl einer der oben genannten Optionen hängt ausschließlich von der Entscheidung des Unternehmers ab. Sie muss allerdings gut durchdacht werden, denn jede der vorgenannten Maßnahmen ruft andere steuerliche Folgen hervor.

Machen wir uns also darüber Gedanken, welche Folgen im Hinblick auf die Einkommensteuer - je nach der ausgewählten Option - die Entnahme des Wagens aus dem Betriebsvermögen haben wird. Wird diese Handlung mit der Mehrwertsteuer besteuert und wenn ja, dann wann?

Verkauf

Einkommensteuer

Ein einkommensteuerpflichtiger Unternehmer, der vorhat, eine Sachanlage, die in Rahmen seiner wirtschaftlichen Tätigkeit genutzt wird, loszuwerden, kann diesen Vermögensbestandteil natürlich verkaufen. Wenn der Unternehmer einen Bestandteil des Betriebsvermögens verkauft, muss er damit rechnen, dass die dabei erzielten Geldmittel eine Einnahme der Firma darstellen werden. Der Betrag, für den der Firmenwagen verkauft wird, ist also mit einem Steuersatz zu besteuern, der für die Form vorgesehen ist, die für das jeweilige Modell der Tätigkeit gilt.

Man soll im Kopf behalten, dass die Steuer auf das Einkommen gezahlt wird und, wenn das Fahrzeug noch nicht vollständig abgeschrieben wurde, den Einnahmen die Kosten zuzurechnen sind, die in diesem Fall dem nicht abgeschriebenen Wert des Fahrzeugs entsprechen werden. Wenn der verkaufte Wagen schon vollständig abgeschrieben ist, werden den Betriebsausgaben keine Beträge zugerechnet. Diese Beträge waren nämlich Betriebsausgaben während der Abschreibungsdauer.

Mehrwertsteuer

Wenn man das Thema im Hinblick auf die Mehrwertsteuer analysiert, scheint die Sache einfach zu sein. Der Mehrwertsteuer unterliegt nämlich der Verkauf von für eine wirtschaftliche Tätigkeit genutzten Wagen und zwar unabhängig davon, ob ein Steuerpflichtiger das Recht auf Abzug der Mehrwertsteuer bei dessen Erwerb hatte oder auch nicht.

Steuerfrei sind nur Warenlieferungen, die für die Zwecke einer steuerfreien Tätigkeit genutzt werden, wenn für den Erwerb, Import oder die Herstellung dieser Waren demjenigen, der deren Lieferung ausführt, kein Recht auf Reduzierung der geschuldeten Steuer um den Vorsteuerbetrag zustand.

Dokumentation

Beim Verkauf einer Sachanlage ist der Steuerpflichtige verpflichtet, eine Rechnung zu stellen. Die Rechnung hat das Datum der Rechnungstellung, die Nummer des Belegs, den Namen des Steuerpflichtigen und des Erwerbers sowie ihre Adressen und USt-IdNr., das Lieferdatum, die Bezeichnung der Ware, die Einheit und die Menge der Ware, den Nettopreis, den Steuersatz und den zu zahlenden Gesamtbetrag zu enthalten.

Entnahme aus der selbständigen Tätigkeit - Überführung für den Privatgebrauch

Einkommensteuer

Die Entnahme eines Wagens aus der wirtschaftlichen Tätigkeit und seine Überführung für Privatzwecke werden an sich keine Einnahme darstellen. Die Situation ändert sich zu dem Zeitpunkt, in dem der Steuerpflichtige sich entscheidet, das vorher der wirtschaftlichen Tätigkeit entnommene Auto zu verkaufen. Durch diesen Vorgang entsteht nämlich eine Einnahme aus der wirtschaftlichen Tätigkeit. Es ist wichtig, dass die Einnahme auch dann entsteht, wenn diese Tätigkeit formell schon aufgelöst ist.

Damit eine Einnahme aus dem Verkauf des der wirtschaftlichen Tätigkeit entnommenen Wagens steuerfrei sein kann, müssen mindestens 6 Jahre - gerechnet ab dem ersten Monat, der dem Monat folgt, in dem der Wagen der wirtschaftlichen Tätigkeit entnommen wurde, vergehen.

Mehrwertsteuer

Die Überführung des Wagens für Privatzwecke ist ein mehrwertsteuerfreier Vorgang, falls der Steuerpflichtige kein Recht auf Abzug der Steuer beim Erwerb des Wagens hatte.

Der nachträgliche Verkauf dieses Wagens als Bestandteil des Privatvermögens unterliegt nicht der Mehrwertsteuer. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein gelegentlicher, einmaliger Verkauf eines Wagens als Bestandteils des Privatvermögens nicht als Gewerbetätigkeit gilt und der Verkäufer in dieser Transaktion nicht als Steuerpflichtiger handelt.

Die Überführung des Wagens für Privatzwecke ist kein mehrwertsteuerfreier Vorgang, falls der Steuerpflichtige ein Recht auf Abzug der Steuer beim Erwerb des Wagens hatte.

Ein nachträglicher Verkauf des Wagens als Bestandteils des Privatvermögens wird ähnlich wie in der vorhergehenden Situation mehrwertsteuerfrei sein.

Dokumentation

Die Überführung eines Bestandteils des Betriebsvermögens in das Privatvermögen ist entsprechend zu dokumentieren. Hierzu dient das Protokoll über die Überführung einer Sachanlage, das das Ausstellungsdatum, die Angaben zu der Firma, das Datum der Überführung der Sachanlage für Privatzwecke, eine Beschreibung der Sachanlage, die ihre Identifizierung ermöglicht, und selbstverständlich die Unterschrift des Unternehmers zu enthalten hat.

Die überführte Sachanlage ist im Sachanlagenregister zu streichen.

Schenkung

Einkommensteuer

Durch die Schenkung eines Bestandteils des Betriebsvermögens an einen der nächsten Familienangehörigen, der zu der steuerlichen Null-Gruppe (z.B. Sohn, Tochter, Ehepartner, Eltern, Geschwister) gehört, entsteht keine Pflicht zur Entrichtung der Einkommensteuer. Der Familienangehörige wird den Wagen ohne Pflicht zur Steuerzahlung nach Ablauf von lediglich 6 Monaten nach dessen Erhalt verkaufen können.

Wenn der geschenkte Wagen ein Bestandteil des Betriebsvermögens ist, führt der Steuerpflichtige die letzte Abschreibung für den Monat durch, in dem die Schenkung vorgenommen wurde.

Den nicht abgeschriebenen Wert der Sachanlage erfasst er nicht in den Betriebsausgaben. Dies ergibt sich aus der allgemeinen Definition der Ausgaben, wonach die Ausgaben im Zusammenhang mit einer erzielten Einnahme getragen werden müssen. Keine Einnahme im Falle einer Schenkung bedeutet somit keine Ausgaben. 

Der Steuerpflichtige ist nicht verpflichtet, die Abschreibungen zu berichtigen, die bis zur Überführung des Vermögensbestandteils vorgenommen wurden, und sie von den steuerlichen Kosten auszuschließen.

Mehrwertsteuer

Wenn der Steuerpflichtige die Schenkung eines Personenkraftwagens vornimmt, ist er verpflichtet, die Mehrwertsteuer wie bei einem Verkauf zu berechnen, falls er berechtigt war, bei dessen Erwerb die Mehrwertsteuer in Abzug zu bringen.

Mehrwertsteuerfrei ist hingegen eine unentgeltliche Überlassung eines Wagens, bei dessen Erwerb der Steuerpflichtige nicht berechtigt war, die Mehrwertsteuer abzuziehen.

Dokumentation

Wenn der Vertrag sofort durchzuführen ist, ist ein mündlicher Vertrag ausreichend. Für die Beweiszwecke und für den Fall einer Prüfung durch das Finanzamt ist es allerdings geboten, den Vertrag in Schriftform zu erstellen.

Außer dem Erstellungsort und -datum sowie den Angaben zu den Parteien hat er eine Erklärung des Schenkers mit Angabe des Gegenstands der Schenkung, eine Erklärung darüber, dass der Schenker berechtigt ist, über den Gegenstand der Schenkung zu verfügen, und eine Erklärung darüber, dass der Gegenstand mängelfrei ist, zu enthalten.

Der Schenkungsvertrag hat sowohl eine Erklärung des Schenkers über den Willen der Überlassung einer bestimmten Sache oder eines Geldbetrags als auch eine Erklärung des Beschenkten darüber, dass er die Schenkung annimmt, zu enthalten.

Ich bin gespannt, welche Entscheidung von Piotr getroffen wird.