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ISA in Polen – ändern sie überhaupt etwas?

Marek TOMCZYK
Audit Manager bei RSM Poland

Die Einführung der Internationalen Prüfungsstandards (ISA) in Polen öffnet eine enorme Chance für Steigerung der Qualität von Wirtschaftsprüfungsdienstleistungen und somit von Abschlüssen selbst mit Vorteil für alle betroffenen Parteien (Geschäftsführungen, Aktionäre/Anteilseigner, potentielle Investoren und Wirtschaftsprüfer).

ISA, das heißt...

Es ist zu erinnern, dass ISA internationale Standards sind, gemäß welchen die Wirtschaftsprüfer die Prüfungshandlungen und sonstige prüfungsbezogene Dienstleistungen durchführen (für Subjekte, die die Prüfungen/Durchsichten der Jahresabschlüsse der Einrichtungen des öffentlichen Interesses durchführen, gelten ISA für die zum 31. Dezember 2016 endenden und darauf folgende Perioden und für Subjekte, die keine Prüfungen bzw. Durchsichten der Jahresabschlüsse der Einrichtungen des öffentlichen Interesses durchführen - für die zum 31. Dezember 2017 endenden und darauf folgende Perioden).

Obwohl sich ISA unmittelbar auf Wirtschaftsprüfer beziehen, schafft ihre Einführung einen zusätzlichen Wert auch für Unternehmer. ISA setzen nämlich eine risikobezogene Prüfung voraus. Der die Prüfung durchführende Wirtschaftsprüfer liegt einen großen Wert auf Begreifen der Geschäftstätigkeit der Unternehmen und Identifizierung ihrer wesentlichen Risiken und Gefahren und schätzt ihre Auswirkung auf den Jahresabschluss. Die Prüfung wird mehr an Bedürfnisse der Mandanten angepasst. Der Wirtschaftsprüfer wird zum echten Berater und Geschäftspartner – er wird nicht mehr bloß als ein externer Prüfer betrachtet.

Grundsätzlich standen die bisherigen Regelungen in Bezug auf die Prüfungsstandards in keinem Widerspruch zu ISA, jedoch ISA enthalten mehr Hinweise, Beschreibungen der Sachverhalte und Empfehlungen in Bezug auf die bisher gesetzlich nicht geregelten Fragen, deswegen ist bei den aufgrund von ISA durchgeführten Wirtschaftsprüfungen weniger wahrscheinlich, dass die wesentlichen Prüfungshandlungen von dem Wirtschaftsprüfer übergangen werden. 

ISA –  mehr als Anweisungen

Man soll nicht vergessen, dass ISA nicht nur Anweisungen für Durchführung von Prüfungen und Durchsichten enthalten, sondern auch den Wirtschaftsprüfern dabei helfen, andere Dienstleistungen zu erbringen. Erwähnenswert sind Kompilieren von Daten, Überprüfung von prognostizierten Finanzinformationen oder Durchführung von vereinbarten Prüfungshandlungen. Nehmen wir an, der Unternehmer nimmt die Leistungen einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Anspruch, bei schlüsselhaften Fragen möchte er aber eine zweite Meinung einholen bzw. er möchte den Wirtschaftsprüfer nicht sofort ändern, sondern sich zuerst davon überzeugen lassen, ob er den anderen Beratern vertrauen kann. In solch einem Fall kann er einen potentiell neuen Wirtschaftsprüfer mit Durchführung von abgestimmten Prüfungshandlungen, z. B. mit der Überprüfung von den höchst relevanten Daten beauftragen, was ein erster Schritt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sein kann.

Das am Anfang dieses Eintrags genannte Ziel, d.h. die Steigerung der Qualität von Wirtschaftsprüfungsdienstleistungen und somit von Abschlüssen selbst, ist erhaben und durch die Einführung von ISA bestimmt erreichbar. Sehr wichtig ist aber eine entsprechende Implementierung von ISA und Mitwirkung der betroffenen Parteien, d.h. der Wirtschaftsprüfer, Unternehmer und Finanzaufsichtsbehörden.

Es besteht ein Risiko, dass die Abschlussprüfungen so wie bisher durchgeführt werden, und man wird nur behaupten, dies sei gemäß ISA erfolgt. Zwar gingen manche Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (z. B. RSM oder andere Subjekte, die Mitglieder eines Netzwerks sind) schon seit Jahren nach ISA vor, aber viele andere Subjekte müssen jetzt ihre Vorgehensweise erheblich ändern und an ISA anpassen. Die Anpassung der Vorgehensweise an ISA soll nicht nur durch die Finanzaufsichtsbehörden, sondern auch – was auf den ersten Blick Überraschung hervorruft – durch Unternehmer (Geschäftsführungen oder Eigentümer) gefordert werden. Warum? Gerade den Geschäftsführungen und Eigentümern von Unternehmen liegt viel an einer aktuellen und zuverlässigen Information und endlich gilt der Jahresabschluss als eine schlüsselhafte Finanzinformation über das jeweilige Unternehmen. Der Unternehmer, der versteht, worum es bei ISA geht (natürlich nicht die technischen Details, sondern den Sinn von ISA) und der eine entsprechende Leistungsqualität erfordert, weiß die Rolle/Arbeit eines guten Wirtschaftsprüfers zu schätzen.

Ich bin sehr optimistisch. Die Einführung der neuen Standards steigert die Qualität von Wirtschaftsprüfungsdienstleistungen, angenommen, dass sie ordnungsgemäß umgesetzt und eingehalten werden, aber an diesem Prozess sollen wir uns alle unmittelbar oder mittelbar beteiligen. Unternehmer und Wirtschaftsprüfer sind Geschäftspartner und verfolgen gemeinsame Ziele.