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Versetzung der Mitarbeiter in der Praxis – steuerliche Anmerkungen und noch Einiges dazu (Teil 1). Steuerliche Ansässigkeit – was ist das eigentlich?

Katarzyna SADOWSKA
Tax Supervisor bei RSM Poland

Die wirtschaftliche Entwicklung zieht natürlich zahlreiche Investitionen der ausländischen Unternehmen in Polen nach sich, ermuntert aber auch polnische Unternehmen ins Ausland zu gehen. Viele ausländischen #Investoren profitieren von dem gut ausgebildeten und bereits erfahrenen Personal, welches auf dem polnischen Markt vorhanden ist, wenn polnische Unternehmen suchen nach Mitarbeitern mit ausreichenden Qualifikationen in der immer noch fremden wirtschaftlichen Umwelt. Als Ergebnis lässt sich kontinuierliche Steigerung der Beschäftigung der polnischen Mitarbeiter bei ausländischen Arbeitgebern und umgekehrt beobachten. Fachmitarbeiter sind ja derzeit im Stande ihre Arbeit eigentlich am beliebigen Ort in der Welt leisten (auch im Rahmen der Fernarbeit oder im sog. Home Office), nicht ganz selten in mehreren Ländern (an mehreren Standorten) gleichzeitig.

Dabei entstehen aber viele Zweifel, wie man die Einkünfte aus der Arbeit an mehreren Standorten, grenzüberschreitend, steuerlich und #sozialversicherungsrechtlich korrekt erfassen soll. Als Antwort auf diese Fragen haben wir für Sie eine Reihe von kurzen und übersichtlichen Beiträgen vorbereitet, wo wir die komplexe Problematik der Beschäftigung, der Versetzung der Mitarbeiter und der damit zusammenhängenden formalen Anforderungen im Bereich des Steuerrecht und der Sozialversicherung besprechen werden. Zusätzlich kommen auch manchmal einige rein rechtliche Probleme dazu (wie einige Details aus dem Arbeitsrecht).

In dem vorliegenden ersten Abschnitt sehen wir uns näher die korrekte Festlegung der steuerlichen Ansässigkeit an.

Was ist die steuerliche Ansässigkeit?

Die steuerliche Ansässigkeit darf man mit dem Wohnort vergleichen – es handelt sich jedoch hier um einen Wohnort für steuerliche Zwecke – als um den Staat, wo man sich üblicherweise aufhält und aus dem Grund seine sämtlichen steuerlichen Angelegenheiten mit der lokalen Finanzverwaltung klären soll. Gemäß den polnischen lokalen Steuervorschriften wird man in Polen steuerlich ansässig, wenn:

  1. man in Polen den sog. Mittelpunkt der Lebensinteressen (persönlichen oder wirtschaftlichen) besitzt oder
  2. man sich auf dem Gebiet Polens länger als 183 Tage während des jeweiligen Steuerjahres (welches grundsätzlich dem Kalenderjahr gleich ist) aufhält.
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Es reicht völlig aus, wenn nur eine von den oben erwähnten beiden Bedingungen erfüllt wird. Die zweite Bedingung scheint eigentlich klar zu sein, mit der ersten darf man schon aber Verständnisproblem haben – Mittelpunkt der Lebensinteressen ist schließlich nichts, was man täglich hört.

Was ist denn der Mittelpunkt der Lebensinteressen?

Unser Mittelpunkt der Lebensinteressen ist der Ort (sprich: der Staat), zu welchem wir starke persönliche oder wirtschaftliche Beziehungen pflegen – wie familiäre Beziehungen (unser Haushalt), gesellschaftliche Beziehungen, politische und kulturelle Aktivität. Nicht zuletzt sind auch die Erwerbstätigkeit und das angesammelte Vermögen (Finanzen, Investitionen, bewegliches und unbewegliches Vermögen, Versicherungen, Kredite und Darlehen, Bankkonten) von Bedeutung.

Für die korrekte Bestimmung des Mittelpunktes der Lebensinteressen ist somit auch der Aufenthaltsort unseren Nahestehenden (der Ehepartnerin, des Ehepartners, der Kinder) als auch der Ort entscheidend, wo sich unser Vermögen physisch befindet und wo wir aktiv in allen diesen Bereichen bleiben.

Wozu überhaupt dient die Bestimmung der steuerlichen Ansässigkeit?

Sind wir in einem bestimmten Staat steuerlich ansässig, so unterliegen wir dort der unbeschränkten Steuerpflicht. Das bedeutet – mit anderen Worten – dass wir in diesem Staat unsere sämtlichen Einkünfte der Besteuerung unterwerfen müssen – also alles, was wir in diesem Staat und im Ausland (überall in der Welt) einmal verdient oder erwirtschaftet haben. Diese Regelung heisst daher etwas abschrekend Welteinkommensprinzip.

Man kann sich aber leicht vorstellen, dass eine solche Situation einfach zu einer Doppelbesteuerung führen kann. Die Steuern werden ja in dem Staat des Wohnsitzes erhoben und zugleich auch in dem Staat, wo das Einkommen erzielt wird einbehalten. Arbeitet man in zwei Staaten auf einmal, müsste man die Steuern eventuell doppelt bezahlen. Dieser fataler Folge wirken aber die zwischenstaatlichen Doppelbesteuerungsabkommen entgegen. Dort wird genau festgelegt, welcher Staat und unter welchen Voraussetzungen das Recht (manchmal das ausschließliche Recht) auf Besteuerung des Einkommens hat und welcher nur zuschauen darf. Die internationalen Abkommen besprechen wir genauer in dem folgenden Abschnitt dieser Serie. Schauen Sie wieder auf unsere Homepage vorbei!

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