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Wie ist die Zusammenarbeit eines Abschlussprüfers mit der Geschäftsführung/Vorstand und dem Aufsichtsrat einer Gesellschaft zu beurteilen?

Piotr STASZKIEWICZ
Wirtschaftsprüfer, Audit Partner bei RSM Poland

Vielleicht ein bisschen zum Trotz möchte ich Ihre Aufmerksamkeit nicht darauf lenken, ob die Zusammenarbeit eines Abschlussprüfers mit der Geschäftsführung/Vorstand oder dem Aufsichtsrat des geprüften Subjekts heutzutage positiv oder negativ zu beurteilen ist, sondern darauf, unter welchen Aspekten solch eine Beurteilung erfolgen soll. Obwohl die Zusammenarbeit eines Abschlussprüfers mit der Geschäftsführung/Vorstand und dem Aufsichtsrat anders aussieht, scheint ihr Ziel gleich zu bleiben, d.h. ein Mehrwert im weiteren Sinne, welche ein Abschlussprüfer für  andere Partei schaffen kann. Ich würde die Zusammenarbeit eines Abschlussprüfers mit den Geschäftsführungen/Vorständen und Aufsichtsräten gerade in Bezug darauf beurteilen.

Da die Geschäftsführung/Vorstand als ein Vertreter gilt, der zur Leitung des Geschäfts im Namen der Eigentümer bestellt wurde, während der Abschlussprüfer zwecks Bestätigung bestellt wurde, ob der durch diese Geschäftsführung/Vorstand aufgestellte Jahresabschluss frei von wesentlichen Entstellungen ist, wird die Zusammenarbeit zwischen dem Abschlussprüfer und der Geschäftsführung/Vorstand bestimmt anders beurteilt (d.h. in Bezug auf einen anderen Mehrwert) als die Zusammenarbeit zwischen dem Abschlussprüfer und dem Aufsichtsrat (Audit Committee).

Die Erwartungen der Geschäftsführungen/Vorstände gegenüber dem Abschlussprüfer betreffen solche Fragen wie Aufdeckung der Fehler der Personen, die sich mit der Rechnungslegung befassen, Identifizierung der Steuerrisiken oder Verbesserung der Unternehmensprozesse. Es sind also die Wünsche, die einigermaßen über die Rahmen einer satzungsmäßigen Prüfung hinausgehen und man darf dem Abschlussprüfer nicht zur Last legen, dass es sich bei der Einhaltung der entsprechenden Grundsätze und der professionellen Beurteilung sowie Wahrung des beruflichen Skeptizismus erweist, dass infolge der anschließend durchgeführten Betriebsprüfung das Subjekt zur Zahlung z.B. einer zusätzlichen Körperschaftsteuer verpflichtet sein wird.

Die Erwartungen der Aufsichtsräte und Audit Committees können dagegen solche Bereiche betreffen wie Informationen über Betrug, Risiken bezüglich der Unredlichkeit der Geschäftsführung/Vorstands, Fortführungsrisiken, Schwäche der internen Kontrolle, wesentliche Entstellungen im Jahresabschluss und darauf bezogene Risiken, die sich auf Eigentümer und eine größere Gruppe der betroffenen Subjekte auswirken.

Dies zeigt, dass sich die Abschlussprüfer nicht selten zwischen Hammer und Amboss befinden: einerseits müssen sie ihre Mission erfüllen, d.h. einen Prüfungsurteil abgeben und bestätigen, dass es keine wichtigen Fragen gibt, die das Interesse des Aufsichtsrates bzw. des Audit Committee wecken würden, andererseits aber müssen Sie mit der Geschäftsführung/Vorstand „operativ” zusammenarbeiten, die auch ihre eigenen Erwartungen hat, welche nicht selten mit diesen des Eigentümers nicht übereinstimmen. Und zusätzlich ist die gesamte Arbeit durch den Abschlussprüfer nach den Kunstregeln auszuführen, so dass sie den methodologischen Prüfungsanforderungen und Erwartungen der Aufsichtsorgane ihm gegenüber gerecht wird.

Deswegen ist es schlüsselhaft, dass sowohl die Geschäftsführung/Vorstand, als auch der Aufsichtsrat die Ziele der Abschlussprüfung begreifen. Die gegenseitigen Erwartungen sollen im Rahmen des dreiseitigen Meinungsaustausches vor dem Auftrag und nicht erst danach miteinander in Einklang gebracht werden. Dadurch können die Geschäftsführungen/Vorstände und Aufsichtsräte/Audit Committees ihre Erwartungen gegenüber dem Abschlussprüfer leichter ausarbeiten und die anschließende Zusammenarbeit gerade in Bezug darauf konstruktiv beurteilen, was ihnen ein Abschlussprüfer bei ihrem Engagement geben kann und soll. Meiner Meinung nach soll ein größerer Wert auf diese dreiseitige Diskussion gelegt werden und dann sind der Mehrwert aus der Abschlussprüfung und die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführung/Vorstand und dem Abschlussprüfer sowie zwischen dem Aufsichtsrat und dem Abschlussprüfer nur eine Frage der Zeit.