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Mitarbeiter-Kapitalprogramme (PPK) – was soll man damit anfangen?

Sebastian GOSCHORSKI
Accounting & Payroll Partner bei RSM Poland

Am Montag, 1. Juli kamen die Mitarbeiter-Kapitalprogramme (poln. PPK) in Gang. Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern schlossen sich diesem System als erste an und meldeten ihre Mitarbeiter im Alter von 18 bis 55 Jahre automatisch bei PPK an. Was sind PPK und was soll man darüber wissen? Dazu machen Sie sich mit diesem Beitrag vertraut.​

Was sind PPK?

PPK ist ein privates langfristiges Sparsystem für Mitarbeiter, das die finanzielle Sicherheit der Polen stärken soll. Die in das PPK einzuzahlenden Geldmittel können aus mehreren Quellen kommen, d.h. vom Arbeitnehmer, Arbeitgeber sowie vom Staatshaushalt in Form eines Zuschusses. "Privat" bedeutet bei diesem System, dass jeder Teilnehmer zu einem beliebigen Zeitpunkt die gesammelten Mittel auszahlen und auf ihr weiteres Zurücklegen verzichten werden kann.

Aufgrund der zahlreichen Sorgen unserer Landsleute bezüglich der Rentenhöhe und insbesondere aufgrund der schnell sinkenden Ersatzrate traf die polnische Regierung die Entscheidung, die neue Sparform für den Lebensherbst einzuführen. Seit 1. Januar 2019 gilt das Gesetz vom 4. Oktober 2018 über Mitarbeiter-Kapitalprogramme, das die Arbeitgeber zu einer termingerechten Einführung des PPK in ihren Unternehmen verpflichtet, wobei der Beitrittszeitplan von Unternehmensgröße und -art abhängt. Das heißt, dass jeder Arbeitgeber gemäß Gesetzesbestimmungen bestimmte Maßnahmen treffen muss – am frühesten die größten Unternehmen und am spätesten, denn 2021, die Kleinunternehmen und die Einheiten des öffentlichen Finanzsektors.

Programmteilnehmer

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiter bei PPK nach folgenden Grundsätzen anzumelden:

  1. Mitarbeiter nach der Vollendung des 18. Lebensjahres bis 55. Lebensjahr – obligatorisch;
  2. Mitarbeiter nach der Vollendung des 55. Lebensjahres bis 70. Lebensjahr – auf den individuellen Antrag des Mitarbeiters, vorausgesetzt dass seine Beschäftigungsdauer bei dem jeweiligen Arbeitgeber zumindest 3 Monate innerhalb von den letzten 12 Monaten betrug;
  3. Mitarbeiter nach der Vollendung des 70. Lebensjahres – keine Anmeldemöglichkeit.

 

Grundsätzlich gilt das PPK nicht nur für fest angestellte Arbeitskräfte, die entweder Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, sondern auch für die Mitarbeiter mit Auftragsverträgen, falls auf diese Verträge die ZUS-Beiträge gezahlt werden. Vom Standpunkt des Gesetzes ist irrelevant, ob sich der Mitarbeiter gerade in dem Elternurlaub bzw. Mutterschaftsurlaub befindet. Alle können dem Programm beitreten bzw. auf die weitere Teilnahme daran verzichten.

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Einführungsstufen des PPK

Gemäß den Gesetzesbestimmungen soll das PPK nach dem folgenden Schema eingeführt werden:

  1. Vorbereitungsarbeiten, die vor allem auf der Erfassung der zusätzlichen Belastung des Unternehmens in dem Finanzplan sowie auf der Festlegung der potentiellen Zusammenstellung von Finanzinstituten beruhen, die mit dem jeweiligen Unternehmen zusammenarbeiten werden;
  2. Wahl des Finanzinstituts zur Verwaltung des PPK (das Verzeichnis von registrierten Finanzinstituten gilt als öffentliche Information). Diese Wahl ist mit der Mitarbeitervertretung bzw. mit der Vertretung der Gewerkschaften abzusprechen. Diese Stufe sieht auch die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem gewählten Finanzinstitut vor, soweit es noch nicht registriert ist.
  3. Abschluss des PPK-Führungs- und Verwaltungsvertrags (das Unternehmen unterzeichnet de facto zwei Verträge mit dem gewählten Finanzinstitut:
    • PPK-Verwaltungsvertrag,
    • Vertrag über Führung des PPK).

Verwaltung des PPK

Jedes Unternehmen ist verpflichtet, das PPK zu verwalten, d.h. die Einzahlungen für das PKK richtig zu berechnen und zu tätigen. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber den PPK-Teilnehmern solche Anweisungen wie z.B. Änderung des Begünstigten, Änderung der Beitragsverteilung, schriftliche Verzichtserklärung u.dgl. ermöglichen. Auch auf dem Arbeitgeber ruht die Pflicht, die bestimmten Informationen betreffend das Funktionieren des PPK an die Mitarbeiter und das Finanzinstitut zu übermitteln, mit dem er den PPK-Verwaltungsvertrag und den Vertrag über Führung des PPK unterzeichnet hat.

Höhe der Einzahlungen

Der minimale Mitarbeiter-Anteil liegt bei 2 % seines Bruttoentgelts. Der PPK-Teilnehmer kann sich auch verpflichten, zusätzlich bis zu 2% seines Bruttoentgelts einzuzahlen, was zusammen bei dem Mitarbeiter maximal 4% (Mindesteinzahlung und zusätzliche Einzahlung) ausmacht. Der minimale Arbeitgeber-Anteil liegt dabei bei 1,5% des Bruttoentgelts des Mitarbeiters, erhöht freiwillig um 2,5% dieses Bruttoentgelts. Die maximale Einzahlung für das PKK kann also im Falle eines Mitarbeiters 8% des Entgelts betragen, das die Bemessungsgrundlage für seine Rentenversicherung bildet. Die sparenden Mitarbeiter erhalten auch den einmaligen Begrüßungszuschlag von 250 PLN und den alljährlichen Zuschlag von 240 PLN (dieser liegt jedoch grundsätzlich im Ermessen der für den Staatshaushalt zuständigen Personen und sein Erhalt ist von der Erfüllung von zahlreichen Voraussetzungen abhängig).

Zusammenfassung

Die von Eurostat dargestellten Daten beweisen deutlich, dass die Renten in Polen zu den niedrigsten in Europa gehören. Die voraussichtliche Ersatzrate (d.h. die Relation der Rente zu dem letzten Entgelt) für die Personen, welche die Arbeit neulich aufgenommen haben, beträgt knapp 30%. Die Entwicklung des PPK kann also die in Polen arbeitenden Personen dazu ermuntern, für ihre künftige Rente zusätzlich zu sparen. Die Mitarbeiter-Kapitalprogramme (PPK) sollen die Programmteilnehmer in einer systematischen und erfolgreichen Sammlung der Mittel unterstützen, die von ihnen nach der Beendigung der beruflichen Tätigkeit in Anspruch genommen werden können. Und diese Lösung ist grundsätzlich nicht neu, denn sie wurde schon z.B. in Großbritannien ausführlich getestet.

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