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Finanzinstrumente – wird es so heiß gegessen? Teil 2

Piotr STASZKIEWICZ
Audit Partner bei RSM Poland

In einem unserer letzten Beiträge präsentierten wir die am häufigsten vorkommenden Finanzinstrumente: diese einfachen sowie diese mehr komplexen. Als Wirtschaftsprüfer stoßen wir oft auf Zweifel betreffend die Angaben und Bewertung – und es geht nicht nur um die üblichsten Finanzinstrumente wie befristete Verträge, Finanzierungsleasing oder Darlehensverträge, sondern auch um diejenigen, die in der Geschäftspraxis seltener vorkommen wie in Stammaktien wandelbare Schuldverschreibungen, Anleihen oder Optionen auf Aktien eines anderen Unternehmens.

Grobe Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 am Beispiel der Anleihen

Jetzt nehmen wir unter die Lupe die Bewertung der durch das Unternehmen emittierten sowie erworbenen Anleihen in Bezug auf das in IFRS 9 präsentierte Modell für Klassifizierung und Bewertung, wobei wir uns auf den in IFRS dargestellten Ansatz zu Finanzinstrumenten konzentrieren. Es ist jedoch zu beachten, dass gemäß dem Rechnungslegungsgesetz (RLG-PL) und Verordnung des Finanzministers über Finanzinstrumente (FIVO) kann sich schon selbst die Einstufung der jeweiligen Transaktion als Finanzinstrument von dem Ansatz in den internationalen Standards unterscheiden. Weitere Schwierigkeiten betreffen die spätere Bewertung. Aber beginnen wir von Anfang an.

Anleihen d.h.?

Anleihen sind Wertpapiere, in denen der Emittent feststellt, dass er Schuldner gegenüber dem Halter der Anleihe ist und sich ihm gegenüber verpflichtet, eine bestimmte Leistung zu erfüllen. Zur Erinnerung sind die emittierten Anleihen nach dem RLG-PL finanzielle Verbindlichkeiten, die zu den korrigierten Anschaffungskosten zu bewerten sind (nur die zu Handelszwecken gehaltenen finanziellen Verbindlichkeiten sind nach den polnischen Bilanzrecht nach dem beizulegenden Zeitwert  u bewerten). Dagegen können die Anleihen je nach ihrem Bestimmungszweck nach einer der folgenden Kategorien erfasst und bewertet werden:

  • zu Handelszwecken gehaltenen finanzielle Vermögenswerte;
  • bis zur Fälligkeit gehaltene finanzielle Vermögenswerte (AUTW),
  • zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte.

Als Ergänzung dazu gilt eine Gruppe von finanziellen Vermögenswerten, die Darlehen und eigene Forderungen (P/N) sind, jedoch umfasst sie keine Anleihen, was auch ihrer Bezeichnung zu entnehmen ist.

Grundsätzlich sind finanzielle Vermögenswerte nach dem beizulegenden Zeitwert zu bewerten, jedoch P/N (nicht zur Veräußerung gehaltene finanzielle VW) und AUTW (also oft auch Anleihen) sind zu den korrigierten Anschaffungskosten zu bewerten. Natürlich sollte man dabei berücksichtigen und ermitteln:

  • ob wir die Möglichkeit haben, den beizulegenden Zeitwert glaubwürdig zu bestimmen;
  • ob der Fälligkeitstag bekannt ist;
  • was in dem Fall passiert, wenn wir mit den Sicherungsinstrumenten oder in einer Währung ausgedrückten Instrumenten zu tun haben.
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Mit Hilfe kommen uns dann die Regelungen der FIVO, jedoch sind sie nicht zum Thema unserer Überlegungen. Die Anleihen mit der bekannten Abkaufsfrist sollen also nach der Effektivzinsmethode bewertet werden.

Man könnte also denken, dass genauso interessant an die Klassifizierung und Bewertung die IFRS herangehen. Und tatsächlich ist es so. Insbesondere nach den in den letzten Jahren eingeführten Änderungen. Bis vor kurzem befahl der IAS 39, finanzielle Vermögenswerte ähnlich wie oben beschrieben und aufgrund des polnischen Bilanzrechts (d.h. gegliedert in zum Fälligkeitstag gehaltene Kredite und Darlehen, zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte, erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertete finanzielle Vermögenswerte. Es ist jedoch schon nur eine Geschichte[1].

Heute scheint für eine richtige Klassifizierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 9 Folgendes relevant zu sein:

  • Unterteilung der finanziellen Vermögenswerte je nachdem, welchen Instrumentstyp sie vertreten (1. Schritt);
  • Analyse der Zahlungsstrombedingungen (im Weiteren aus dem Englischen der SSPI[2]-Test) für Schuldinstrumente (2. Schritt);
  • Beurteilung des Geschäftsmodells und Beantwortung der zusätzlichen Hilfsfragen (3. Schritt).

Im ersten Schritt sind finanzielle Vermögenswerte in:

  • Schuldinstrumente;
  • derivative Finanzinstrumente,
  • Beteiligungsinstrumente zu unterteilen.

Eine richtige Klassifizierung der beispielhaften Anleihen setzt die weitere Vorgehensweise voraus. Falls unsere Anleihe richtig unter den Schuldinstrumenten „landet”, wird sie dem SPPI-Test unterzogen, der zum Thema der nächsten Blogbeiträge wird. Den SPPI-Test kann sie bestehen oder nicht – die Anleihe, die den Test „verhaut”, wird erfolgswirksam nach dem beizulegenden Zeitwert bewertet, dagegen ermöglicht ein erfolgreich abgelegter Test den Übergang zum nächsten Schritt, in dem man das Geschäftsmodell beurteilen, d.h. folgende Fragen beantworten soll:

  • Halten wir die Anleihe zum Erzielen der vertraglichen Zahlungsströme?
  • Halten wir die Anleihe, um die vertraglichen Zahlungsströme zu erzielen und sie dann zu veräußern?
  • Haben wir mit keiner der vorgenannten Situationen zu tun?

Die bejahende Antwort auf die erstgenannte Frage lässt die Anleihe zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerten. Die bejahende Antwort auf die zweitgenannte Frage lässt sie erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert (FVTOCI) mit späteren Umklassifizierung in GuV bewerten. Im Falle der bejahende Antwort auf die drittgenannte Frage behandeln wir die Anleihe als ein derivatives Finanzinstrument und bewerten wir sie erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert. Zur Vereinfachung veranschaulichen wir das in der folgenden Abbildung:

wykres_do_blogow_o_instrumentach_finansowych_audyt.png

Dieses Schaubild wird uns sicherlich nicht einmal bei der Besprechung der Klassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte in den nächsten Beiträgen begleiten. Zum Schluss soll ich noch die Bewertungsgrundsätze für die Anleihen nennen, die unsere finanziellen Verbindlichkeiten sind. Dann kommen uns zu Hilfe – ähnlich wie nach dem polnischen Bilanzrecht – die fortgeführte Anschaffungskosten gemäß IFRS 9 und genauer gesagt gemäß Paragraphen 4.2.1. und 4.2.2., welche wiederum deutlich bestimmen, dass alle finanziellen Verbindlichkeiten, darunter die besprochenen Anleihen, nach dieser Methode zu bewerten sind, es sei denn, dass sich das Subjekt für die Bewertung von finanziellen Verbindlichkeiten erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert entscheidet, sofern das .B. zur Gewinnung von genaueren und mehr entsprechenden Daten als im Falle der Anwendung der fortgeführten Anschaffungskosten führt.

Verfolgen Sie unsere Blogbeiträge – in dem nächsten konzentrieren wir uns auf den SPPI-Test.

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[1] Es ist interessant, dass die Bewertung von finanziellen Verbindlichkeiten erfolgswirksam zu fortgeführten Anschaffungskosten und zum beizulegenden Zeitwert immer noch aktuell ist, jedoch nur mit einer kleinen Änderung, wovon wir in den nächsten Beiträgen schreiben werden.

[2] Solely Payment of Principal and Interest.

Blog - Autorzy

Anna MAJ (1)
Ewa PYTEL (1)