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Locked Box Mechanismus - was steckt dahinter?

Krzysztof CIESIELSKI
M&A and Corporate Advisory Director bei RSM Poland

Locked Box ist ein Mechanismus, der beim Vollzug der M&A-Transaktionen in Anspruch genommen wird. Er erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und wird immer häufiger anstatt der sog. Completion Accounts gewählt. Kennzeichnend für Locked Box ist die Ermittlung des Transaktionspreises aufgrund von historischen Daten vor dem Vollzug der Transaktion. Dieser Preis darf nachträglich nicht angepasst werden. Es ist also ein fester, im Voraus ermittelter Preis. Solch ein Ansatz unterscheidet sich von Completion Accounts, wo die Preisanpassungen einer der wichtigsten Bestandteile des Mechanismus für eine endgültige Preisermittlung sind. In dem nächsten Beitrag versuche ich auf den Completion Accounts Mechanismus einzugehen.

Wie bereits erwähnt, sind historische Finanzdaten die Grundlage für Berechnung des Kaufpreises aufgrund des Locked Box Konzepts. Es ist zu beachten, dass der Zeitpunkt, zu dem die Berechnung des Kaufpreises vorgenommen wird (das sog. Locked Box Datum) zwischen den Transaktionspartnern verhandelt werden kann. Das gilt insbesondere für die Situationen, wo die Zeitspanne zwischen dem Tag, zu dem man die Finanzdaten vorbereitet hat und dem Tag, zu dem der Wert des Transaktionsgegenstands, d.h. sein Preis berechnet wird, so groß ist, dass man von den zeitnahen Daten kaum sprechen kann. In solch einem Fall würde die Berechnung einen unzuverlässigen Transaktionspreis zur Folge haben.

Bonus für Verkäufer…

Dem Locked Box Mechanismus liegt ein fester Transaktionspreis zugrunde. Nach gängiger Meinung und Erwartungen der Transaktionspartner generiert der Transaktionsgegenstand, d.h. das Unternehmen mit der Zeit einen immer höheren Wert. Man kann vielleicht denken, dass die Wegnahme der Möglichkeit für Verhandlung des Transaktionspreises zur Folge haben wird, dass der Verkäufer keinen Vorteil aus dem Anstieg des Unternehmenswertes in der Zeit (in der Regel innerhalb von ein paar Monaten) zwischen dem Kaufvorvertrag und endgültigen Kaufvertrag ziehen wird. Kurz gesagt, der Verkäufer verliert daran. Um das zu verhindern, berücksichtigt die Locked Box die zusätzliche, dem Verkäufer zustehende Zahlung, die für die vorgenannte Periode in den von den Transaktionspartnern vereinbarten Intervallen, z.B. monatlich, berechnet wird.

…und etwas für den Käufer

Obwohl der Transaktionspreis gesperrt ist, kann der Verkäufer sowieso einen zusätzlichen Betrag erhalten. Welchen Vorteil hat aber der Locked Box Mechanismus für den Käufer? Einfach gesagt, der Käufer wird durch die Locked Box gegen unerwünschte Handlungen des Verkäufers abgesichert, die dieser vor dem endgültigen wirtschaftlichen Übergang des Transaktionsgegenstands auf den Käufer vornehmen könnte. Wie ich zuvor angedeutet habe, soll der Wert des Transaktionsgegenstands mit der Zeit steigen, deswegen möchte der Käufer eine Situation meiden, wo der Verkäufer versuchen würde, diesen Wert durch seine Handlungen herabzusetzen.

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Üblicherweise sichert der Käufer seine Position bei den Kauftransaktionen durch verschiedene Erklärungen und Zusagen, die von dem Verkäufer für Transaktionszwecke abgegeben werden. Im Rahmen der Locked Box schützt sich der Käufer grundsätzlich gegen Wertabflüsse (leakage). Das Leakage umfasst jegliche Formen der Beschaffung des Wertes (Abfluss von flüssigen Mitteln, Vermögenswerten) aus der Tätigkeit des Transaktionsgegenstands zwischen dem Locked Box Datum und Closing. Das können z.B. (echte oder mutmaßliche) Dividenden, Management-Gebühren, Übermittlung von unterbewerteten Vermögensgegenstände oder Erlass von Forderungen/Verbindlichkeiten sein. Natürlich können die Transaktionspartner zur Einigung über die erlaubten Wertabflüsse (permitted leakage) kommen, die alle zwischen Ihnen vereinbarten Komponenten umfassen werden. Es ist zu beachten, dass erlaubte Wertabflüsse (permitted leakage) die Preisherabsetzung zur Folge haben können, jedoch nicht müssen. Die dem Verkäufer nach dem Locked Box Datum ausgeschüttete Dividende hat die Herabsetzung des Kaufpreises zur Folge, dagegen soll sich die Auszahlung der Löhne und Gehälter an Mitarbeiter im Rahmen des gewöhnlichen operativen Geschäftsbetriebs auf diesen Preis nicht auswirken.

Locked Box – möglich oder nicht?

Wie bereits angedeutet, bringt das Locked Box Konzept viele Vorteile sowohl für den Verkäufer, als auch für den Käufer. Der Hauptvorteil ist dabei die Berechnung des Transaktionspreises ohne Möglichkeit seiner nachträglichen Anpassung. Somit ist die Höhe des Transaktionspreises für die beiden Transaktionspartner sichergestellt und der Mechanismus alleine scheint im Vergleich zu Completion Accounts deutlich einfacher zu sein. Das Locked Box Modell wird oft angewendet bei der Veräußerung von Gesellschaften, wo ein paar potentielle Investoren auf einmal an dem Unternehmenskauf interessiert sind. Obwohl die Locked Box zuletzt allgemein bekannt ist, darf man nicht vergessen, dass man sie nicht immer und nicht bei jeder Transaktion anwenden kann.

Die Locked Box kann man in der Regel nicht dann anwenden, wenn die entsprechenden Finanzdaten, aufgrund deren ein zuverlässiger Preis berechnet werden kann, nicht zur Verfügung stehen.

Ähnliches gilt für die Fälle, wo in dem jeweiligen Unternehmen eine erhebliche Anzahl von Transaktionen vorkommt, die unter das Leakage fallen. Dann wird der Käufer die Preisberechnung höchst wahrscheinlich auf den Completion Accounts Mechanismus stützen wollen. Es ist zu erwarten, dass die Completion Accounts häufiger in den unsichereren Zeiten, z.B. während der Pandemie angewendet werden. Das ist auf die erhöhte Vorsicht der Käufer sowie Notwendigkeit der Überprüfung des laufenden Risikos (von dem Vorvertrag bis auf den endgültigen Vertrag) in der Geschäftsumgebung des Transaktionsgegenstands zurückzuführen, welches sich auf den Preis wesentlich auswirken kann. In der Pandemie-Landschaft gelten als solch ein Risiko bloß schnelle Änderungen der geltenden Rechtsvorschriften, die die Tätigkeit der jeweiligen Branche regeln.

Die Mechanismen für Ermittlung des Kaufpreises bei den M&A-Transaktionen sind die schwierigsten Schritte in dem ganzen Prozess, deswegen sollte man dabei von einem professionellen Berater unterstützt werden. Lassen Sie sich von unserem Angebot im Bereich der M&A-Beratung überzeugen und kontaktieren Sie uns.

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